Konzept der „Schule für Lebendiges Lernen“ in Konstanz

Auszug aus dem Konzept
Schule für lebendiges Lernen – Freie aktive Schule Konstanz

1.1. Die pädagogischen Wurzeln

Die „Paten“ unserer pädagogischen Ausrichtung sind:
Frederick Matthias Alexander, Dr. Emmi Pikler und Rebeca und Mauricio Wild.
Ergänzend zu den Ausführungen in unserem Konzept IX 2000 sei hier noch zu F.M. Alexander angefügt:

Eine kurze Information zur F.M. Alexander-Technik und welche Rolle sie an der „Schule für lebendiges Lernen“ spielt.

Die von Frederick Matthias Alexander (1869-1955) im Laufe seiner wissenschaftlichen Untersuchungen und Forschungen entdeckten Prinzipien in ihrer Gesamtheit, deren Anwendung und Vermittlung sind Gegenstand der nach ihm benannten Methode, der F.M. Alexander-Technik (Technik von technos – griech. Kunst, die Kunst sich zu gebrauchen).

Die F.M. Alexander-Technik ist ein Werkzeug für alle, die von ihren beschränkenden und störenden Bewegungs-, Verhaltens-, Denk- und Lerngewohnheiten unabhängiger werden möchten.

Erziehung, kulturelle und andere Rahmenbedingungen haben die meisten Menschen unserer Zivilisation von einer noch halbwegs verlässlichen Einschätzung ihrer Wahrnehmung und natürlichen Koordination entfernt. Diese haben gelernt, diesen Zustand normal zu finden.

Die schleichende Entwicklung begünstigt die Gewöhnung an zunehmend unökonomische, behindernde und schädliche Vorgehensweisen. Diese wiederum sind Mit-, wenn nicht sogar wesentliche, Ursache für viele Behandlungsbedürftigkeiten und Missstände im kleinen wie im großen Rahmen.

Es tut deshalb not, den Faktor des Selbstgebrauchs, d.h. die Art wie man sich (als Ganzes Wesen) gebraucht, wenn man zum Beispiel geht, flötet, am PC arbeitet, in stressigen Situationen ist, aber auch streitet oder sich abgrenzen will, in seiner weichenstellenden Funktion anzuerkennen und damit umzugehen. Auch wenn vielleicht, wie das Sprichwort sagt, der Glaube Berge versetzen kann, kann Nichtglauben noch lange nicht das Aufgehen der Sonne verhindern.

Orientiert sein über das, was ich tue, wie ich mich gebrauche, währenddem ich meine Arbeit mache, ist Voraussetzung für Gestaltungsfreiheit. Erst die Fertigkeit, Entscheidungen auch gegen die gewohnte, vertraute Wahrnehmung treffen zu können, ermöglicht echte Mitbestimmung im eigenen Leben.

Was wir uns als Erwachsene mehr oder weniger mühsam wieder erschließen müssen – die natürliche Koordination wieder zu erlernen – könnte Kindern erspart bleiben, wenn ihr weitestgehend noch unverfälschter, aber auch unbewusster, „Gebrauch des Selbst“ so lange beschützt würde, bis sie sich ihrer selbst bewusst sind.

Bietet z.B. die Umgebung in Kindergarten und Schule dem Kind eine entwicklungsgemäße Anforderung innerhalb eines geschützten Rahmens, dann kann das Kind stimmig und mit sich im Reinen seine Schritte tun. Störquelle sind hier aber oft die Erwachsenen. Wir (die Erwachsenen) haben die ursprüngliche Anbindung zu unserem Inneren und die damit verbundene Sensibilität verloren.

Wir sind mittels erfahrener Manipulationen und erduldeter Übergriffe an einen Maßstab gewöhnt, der es uns z.B. normal erscheinen lässt, einem Kind über den Kopf zu streicheln, weil man es so süß findet. Wem rutscht nicht ein „ist doch nicht so schlimm“ raus, wenn ein Kind hinfällt – als vermeintlichen Trost? Wann stören wir ein Kind bei einer Tätigkeit NICHT und warten bis es diese beendet hat um mit ihm Kontakt aufzunehmen? Statt dessen kann so oft beobachtet werden, dass die „woher auch immer“-Eingebung als ausreichende Grundlage erscheint, das Kind mit einer „Bereicherung“ zu konfrontieren, die vielleicht mit uns, aber ganz sicher nichts mit dem Kind zu tun hat..

Erwachsene, die Kinder begleiten, leben ihnen ihre eigene Normalität vor und damit auch, wie sich selbst gebrauchen, ihre Selbstverständlichkeiten werden erfahrbar. Gleichzeitig ist der Grad der Sensibilität, mit der sie ihre Mitmenschen, und damit auch die Kinder, wahrnehmen können, wesentlich dadurch mitbestimmt. Das Ausmaß ihrer physischen, sozialen und emotionalen Kompetenz wird somit zum Limit des Weges, den sie den Kindern als (lebenswerte?) Perspektive aufzeigen können.

Das Wichtigste an der Arbeit mit Kindern ist aus der Sicht Alexanders deshalb die Arbeit mit den Erwachsenen. Nicht nur, damit sie sich wieder mit freiem Hals und geradem Rücken bewegen, sondern um sensibler zu werden für die Kinder, diese wahrzunehmen und zu begleiten anstatt irgendwohin bringen zu müssen. Auch um zu lernen die Kinder anzunehmen wie und wo sie sind, auch wenn dies an ihrem eigenen erlebten und nicht bewältigten Schmerz rührt, da wohl die meisten der Erwachsenen nicht so aufgewachsen sind. Es ist an ihnen zu lernen – kompetent Grenzen zu setzen ohne gleichzeitig kämpfen zu müssen – und – „helfen“ zu unterlassen, ohne sich dabei verkrampfend zurücknehmen zu müssen -.

Die F.M. Alexander-Technik kann die BegleiterInnen im Kindergarten-Schul-Projekt zuverlässig bei deren Bestreben unterstützen, den Kindern eine entspannte vorbereitete Umgebung bereit zu stellen, und dabei selbst in herausfordernden Situationen gelassen, freundlich und respektvoll mit sich umzugehen.

Die Prinzipien der F.M. Alexander-Technik machen die Notwendigkeit einer lebensfreundlichen Umgebung die (meine) Kinder respektiert deutlich. Es reicht nicht aus, sich auf das Abschwächen der Symptomatik, die eine ungeeignete Umgebung bei Kindern erzeugt, zu beschränken.

Ermöglicht wird das Angebot an alle Teammitglieder seit 2002 dank der TeilnehmerInnen am dreijährigen Intensivkurs (G.L.A.T. anerkannte Fort- bzw. Ausbildung zum Lehrer/zur Lehrerin für F.M. Alexander-Technik) im gleichen Haus. Diese erfahren dadurch ihrerseits eine Bereicherung, wertvolle Ergänzung und qualitative Aufwertung ihrer Lernumgebung.