Worum geht es bei der Alexander-Technik?

Vielleicht kennen Sie die F.M. Alexander-Technik schon, vielleicht auch nicht. Im folgenden möchte ich erst einiges an Grundsätzlichem klären.

So können Sie, wie auch ich, eher annehmen, dass wir vom Gleichen sprechen. Vieles wird dadurch verständlicher und nachvollziehbarer und unterstützt damit, dass wir einander verstehen.

Die Auslegung der Prinzipien der F.M. Alexander-Technik als auch meine dazu benutzten Formulierungen sind individuell geprägt entsprechend meinem derzeitigen Verständnis. Dies kann dazu führen, dass Ihnen auch andere Beschreibungen z.B. in der Literatur oder auch im Gespräch mit meinen KollegInnen begegnen können. In Bezug auf die Prinzipien als solche und deren unverzichtbare Vollständigkeit sollten Sie jedoch keine Unterschiede finden können.

Kommen wir zum genannten Bestreben nach einer gemeinsamen Sprache zurück…

Legomännchen machen Alexander-Technik

Lassen sie uns als Beispiel die Situation nehmen, dass sie auf dem Rücken liegen. Vielleicht scheint es Ihnen, dass Sie ganz reglos daliegen und sich nichts bewegt. Vielleicht können Sie jedoch auch einiges bemerken, z.B. dass Sie sich mit der Zeit entspannen und in die Unterlage sinken, oder dass Ihnen hier und da ein Anspannen oder Festhalten auffällt.

 

1. Auch wenn Sie noch so ruhig daliegen, es findet immer eine Bewegung statt. Ob Ihnen das bewusst ist oder nicht, ob Sie das wollen oder nicht – ist nicht von Belang. Die Muskeln sind immer in Aktion, entweder indem sie sich zusammenziehen oder indem sie mehr Länge zulassen oder gedehnt werden.

Wir sind immer in Bewegung !!!

 

2. Vielleicht haben Sie den Eindruck, dass Sie gar nicht so arg beteiligt sind bei der Aktivität. Vielleicht bemerken Sie irgendwelche Anspannungen oder Bereiche die sich locker anfühlen ohne den Eindruck zu haben, dass Sie das gerade wollten.

Sprache und Redewendungen gestalten und nähren unser Verständnis. (z.B. „mein Bein will nicht so recht“, „mein Hals ist immer so verspannt“, „ich hab’s im Kreuz…“) Das können Hinweise sein dafür, dass der Eindruck besteht, die Muskeln hätten sich verselbständigt und würden quasi ein Eigenleben führen können.

Im Allgemeinen funktionieren wir – und damit meine ich uns alle Menschen – jedoch ziemlich normal. Das schließt mit ein, dass die Muskeln nicht eine Eigenleben führen (können), sondern nur Befehle ausführen. Für Ausnahmen, die z.B. durch Muskel- oder Nervenerkrankungen entstehen, gelten evtl. andere Bedingungen die bei anderer Gelegenheit beleuchtet werden können.

Die Muskeln machen immer genau das was sie gesagt bekommen.

Aus den beiden ersten Aussagen ergibt sich, dass diese Bewegung die gerade eben geschieht, deshalb so passiert, weil sie genau so veranlasst wird – unabhängig davon ob ich mir dessen bewusst bin oder nicht.

Lassen sie uns jetzt einmal in eine andere Richtung schauen, nämlich zu der Frage: wo will ich hin? Also nach dem Sinn dieser Begegnung.

 

3. Kommen wir noch mal zurück zum Liegen. Sie kennen sicherlich die Situation: der Wecker klingelt, Sie wachen auf, machen den Wecker aus, schauen ob es wirklich schon Zeit zum Aufstehen ist, … haben Sie auch schon mal den Wecker zu früh läuten lassen und deshalb beim aufwachen festgestellt, dass Sie ja noch eine Stunde länger schlafen können (Umstellung Sommer – Winterzeit). Sicherlich konnten Sie dann auch bemerken, dass Sie sich noch mal so richtig in die Unterlage haben fallen lassen können.

Diesen Moment möchte ich nehmen, um daran zwei Möglichkeiten zu verdeutlichen, die uns allen die wohl geläufig sind.

Wie Sie sich als in die Unterlage sinkend erlebt haben, haben Sie locker gelassen, ihre Aufmerksamkeit ist wieder von wach, nach viel weniger wach, in Richtung Schlaf gewandert. Diese Qualität möchte ich beschreiben mit weich (bezogen auf die erlebbare Muskelspannung) und weniger wach (weniger weich).

Spüren können wir das so dadurch, dass wir vorher eine andere Qualität nutzten, da waren wir deutlich angespannter und wach (bezogen auf die offenen Augen und zumindest teilweisem Hinwenden an das Außen).

Ersteres könnte auch beschrieben werden als: uns der Schwerkraft überlassen, kollabieren, plumpsen. Das Andere entspricht einem „Liegen machen“, eine Haltung – die Liegen heißt – einnehmen.

„Weniger wach und weich“ und „wach und angespannt“ sind für mich, ganz vereinfacht, die beiden Pole, zwischen denen wir Menschen (zumindest die, die ich bis jetzt kennen gelernt oder gesehen habe) uns im allgemeinen nur bewegen.

Aber das ist nicht alles wozu wir in der Lage sind… – zumindest als Kind hatten wir auch noch etwas anderes. Das, was wir auch heute noch miterleben können bei kleinen Kindern, die gerade eben stark genug sind zum Aufstehen, und im Begriff sind das Laufen zu lernen. Bei ihnen können wir sehen, wie sie ihren Kopf in den Raum hineinwachsen lassen, um die Welt zu entdecken und zu erobern. Die Hände mit den Armen, wie auch die Füße mit den Beinen wachsen ebenfalls in den Raum hinein. Gerade so wie es auch einem kleinen Kätzchen beobachtet werden kann.

Gibt es ein Problem, z.B. keine Gummibärchen aber das Kind will welche haben, dann ist es „wach und angespannt“, bis das Problem für es vorüber ist – wodurch auch immer.

Es hört damit auf, den Kopf in sich hineinzuziehen und sich sonst überall anzuspannen. Es lässt den Kopf wieder nach oben gehen, die Arme wachsen wieder hinein in den Raum,… und es hat wieder die anfangs beschriebene Qualität, spielt und macht seine Sachen – bis es müde wird. Dann sinkt sein Köpfchen und fällt auf die Schulter, die Ärmchen und Beinchen sind schwer und baumeln herunter (weniger wach und weich). Es schläft, bis es wieder erwacht und sich wieder der Umgebung zuwendet, der Kopf wächst nach oben in den Raum, die Arme, Beine auch…

Es ist wieder „wach und weich“.

Hieraus ergibt sich die nächste, notwendige Übereinkunft:

Sie wollen sich diese „vergessene – und deshalb verlorene“ Qualität wieder erschließen und nutzen können (nicht müssen – im Sinne vom „richtig-sein-müssen“ sondern wieder als Möglichkeit verfügbar haben).


4. Wenn wir uns jetzt anschauen, können wir vielleicht bemerken, dass wir hier und da und dort… mehr Kraft aufwenden als zum liegen notwendig ist (mehr anspannen, also mehr ziehen als notwendig = “ anstrengen, schon woanders zu sein“)

Sie wollen, dass ihre Bewegung in einer anderen Qualität als der im Moment geschieht.

Jetzt kann ich natürlich sagen: ich will dieses „wach und weich“ haben, aber es wird nicht funktionieren. Genausowenig wie die Aufforderung: sei glücklich.

„wach und weich“ ist für mein Verständnis eine Begleiterscheinung (Symptom) einer Bewegung. Und wenn ich das so annehme, kann ich mich danach fragen, welche Bewegung das verursacht.

Und dann könnte ich zu der Folgerung gelangen:

Wenn ich soviel mache, wie notwendig ist um da-zu-sein-wo-ich-bin, dann passiert „wach und weich“. Mache ich mehr, fange ich an mich zusammenzuziehen und zu verkrampfen, mache ich weniger, falle ich zusammen, kollabiere.

 

5. Wir haben schon früher benannt, dass die Muskeln machen was sie „gesagt“ bekommen. Das heißt:

  • wenn wir wollen, dass etwas anderes passiert,
  • müssen die Muskeln eine andere Arbeit machen als diejenige, die sie gerade eben tun und
  • deshalb müssen sie auch etwas anderes „gesagt“ bekommen.

Die Muskeln haben, siehe oben, kein eigenmächtiges Eigenleben. Der Einzige, der einen unmittelbaren Zugang zu ihnen hat, ist der Organismus dem sie zugehörig sind, also Ihre Muskeln gehorchen Ihnen, meine mir und die des Nachbarn ihm…

Solange Ihre Unversehrtheit respektiert wird verhält sich das nur so. Kein anderer Mensch und auch keine Sache (wie Stuhl, PC, etc.) hat direkt Einfluss auf meine Muskeln und damit auf deren Aktivität.

Das heißt also: ohne Ihr Einverständnis läuft nichts.

Oder anders ausgedrückt:

Wenn etwas passiert, geschieht dies nicht ohne Ihre Erlaubnis, unabhängig davon, ob Sie diese absichtlich gegeben habe oder nicht.

 

6. Wenn Sie also diese „vergessene und deshalb verlorene“ Qualität wieder erschließen und nutzen wollen und deshalb die Muskeln eine andere Arbeit machen müssen als die, die sie gerade eben tun, brauchen sie nur das Erforderliche gesagt bekommen, da Sie der einzige Mensch sind der diesen Einfluss hat ist es notwendig, dass Sie das (Erforderliche) veranlassen.

 

7. Wir „sprechen“ aber nicht direkt mit unseren Muskeln, führen keine Dialoge mit ihnen oder gar den einzelnen Muskelfasern.

Wir kommunizieren indirekt. Wir denken in Bewegungsmustern oder Bewegungsgeschichten: „Ich stehe, nehme die Tasse mit der rechten Hand (um einen Schluck zu trinken), etc….“

Das heißt, wenn ich von mir verstanden werden will, ist es günstig, das auch zu berücksichtigen.

Sie sind bis hierhin einverstanden?

Sie können alles nachvollziehen?

Sie wollen sich auf der Basis des bis jetzt Benannten darauf einlassen weiterzugehen ?

Dann könnte dies eine geeignete Vorbereitung in die Arbeit sein, in die Arbeit, sich die Prinzipien Alexanders zu erschließen um sie ins Leben, in den Alltag mitzunehmen.